Gedenkstättenfahrt führt Sielmänner nach Krakau und Auschwitz
„Nie wieder ist jetzt“, hört und liest man zu Gedenktagen, wie dem 27. Januar zur Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz, immer wieder. Aber was beutetet das für junge Menschen in der Gesellschaft? Was verbirgt sich hinter dieser wichtigen Forderung? 20 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 10 der Heinz-Sielmann-Schule haben sich selbst ein Bild gemacht. Unter Leitung von Ünal Kopal und mit Begleitung von Kerstin Trägenap-Zunkel und Nico Ölschläger erfuhren die Jugendlichen direkt vor Ort in Polen, was dort im Zweiten Weltkrieg geschehen war. Während des 5-tägigen Aufenthalts lernte die Gruppe nicht nur die Geschichte Krakaus, Auschwitz und Birkenaus kennen, sondern erfuhr auch die Geschichte von Monika Goldwasser. „Mit 8 Monaten mussten meine Eltern mich verlassen. Meine Mutter hielt bei ihrer Deportation anstatt mir eine Puppe im Arm, als sie sich auf den Weg zu ihrem Tod machte.“ erzählt die Holocaust Überlebende beim Zeitzeugengespräch. Ihre bewegende Lebensgeschichte wurde für die Gruppe von einer Dolmetscherin übersetzt. Alle hörten gebannt zu, als Frau Goldwasser von ihrem Leben, dem Leben ihrer jüdischen Eltern Salomea und Adam Goldwasser und dem Weg zur Entdeckung ihrer Herkunft berichtet. Wie knapp sie dem Tod entkommen war, war für die Schülerinnen und Schüler schockierend. Jahrelang wusste sie nichts von ihrer jüdischen Abstammung, bis ihre Adoptivmutter ihr davon erzählte. Höchste Anerkennung erhielt Frau Goldwasser anschließend von der Oerlinghauser Reisegruppe für die Tatsache, dass sie sich auch im hohen Alter noch verpflichtet fühlt, jungen Menschen von ihrer Geschichte und den Taten der Nationalsozialisten zu erzählen. Sie empfinde trotz der tragischen Geschichte keinen Hass und sei froh, dass deutsche Schülerinnen und Schüler ihrer Erzählung zuhören, so die Zeitzeugin. Besonders spannend war für die Schülerinnen und Schüler noch die Auseinandersetzung mit der Zeit der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg. An verschiedenen Orten der Stadt wurde deutlich, wie stark Krakau von der nationalsozialistischen Herrschaft geprägt wurde und welche Folgen dies für die Bevölkerung hatte. Viele Sielmänner waren überrascht, wieviel Geschichte sich noch heute im Stadtbild entdecken lässt. Bei einem Besuch des jüdischen Viertels Kazimierz setzten sich die Oerlinghauser bewusst mit dem ehemaligen jüdischen Leben in der Stadt auseinander. Die Stadtführung zeigte den Jugendlichen auch, wie Ausgrenzung und Deportation der jüdischen Bevölkerung im ehemaligen Ghetto organisiert wurde. Zweifellos am eindrucksvollsten und emotionalsten an der gemeinsamen Fahrt war der Besuch im Stammlager Auschwitz 1 und dem Vernichtungslager Birkenau. Bei einer mehrstündigen Führung erhielten die Sielmänner Einblicke in die Lebensbedingungen der Häftlinge, die Struktur des Lagers und die systematische Verfolgung durch das Regime. Besonders bewegend waren dabei die persönlichen Gegenstände der Opfer, die bis heute in den Ausstellungen zu sehen sind und das unfassbare Ausmaß der Verbrechen greifbar machen. Einen bleibenden Eindruck hinterließ bei den Jugendlichen auch die Dimension Birkenaus. Die Überreste der Gaskammern und Krematorien ließen keinen Besucher kalt. Nach fünf Tagen machte sich die Reisegruppe wieder auf den Weg nach Oerlinghausen, im Gepäck viele Eindrücke, Gedanken und Gesprächserinnerungen sowie ein großes Dankeschön für die zahlreichen Unterstützer dieser Gedenkstättenfahrt. Zu nennen sind hier das Land Nordrhein-Westfalen sowie die Sanddorf-Stiftung mit ihrer Vorsitzenden Birgit Hahn, die die Fahrt maßgeblich gefördert haben. Wie in den vergangenen Jahren zeigte sich auch die Wortmann AG mit Herrn Selvi sowie die Netzconcepte GmbH mit Herrn Willers sehr erkenntlich. Beide Unternehmen engagieren sich seit vielen Jahren für die Gedenkstättenfahrten und machen sie für unsere Schülerinnen und Schüler zu eindrucksvollen Erlebnissen, so der Fahrtenkoordinator Ünal Kopal, der zusätzlich Frau Barbara Dudek dankte, die während der fünf Tage die Reisegruppe vor Ort begleitete und sämtliche Programmpunkte organisierte.
Fotos (Nico Ölschläger):
Zeitzeugengespräch
Einen bleibenden Eindruck hinterließ auch das Zeitzeugengespräch mit Frau Goldwasser, die auch schon mit früheren Reisegruppen der HSS im Austausch und im Gespräch war.
Stadtführung:
Während der Stadtführung in Krakau besuchten die Sekundarschüler auch die Burg Wawel, die am südlichen Rand der Altstadt von Krakau liegt.